Sonntag, 11. Januar 2009

F, wie fahren, Fernweh

Fernweh ist vielleicht die falsche Überschrift, denn nirgendwo in Ghana kann man sich heimischer fühlen als auf den Straßen... bei all den aus dem deutschsprachigen Raum importierten Fahrzeugen!

In Ghana herrscht eine anderen Einstellung zum Reisen als in Österreich: die Zeit ist nicht so wichtig. Sicherheit auch nicht. Zwei Stunden Wartezeit werden anstandslos hingenommen und unbequeme Sitze sind die Norm. Anschnallgurte werden maximal dazu benutzt, Gepäck auf's Dach zu schnallen. Schienenverkehr hat in Ghana wesentlich weniger Bedeutung als in Österreich. Darum gebe ich jetzt eine kurze Übersicht über die verschiedenen Arten der Fortbewegung.

Zu Fuß: man geht, geht, geht, schwitz, leidet und geht weiter. Irgendwann kommt man dann doch an.

Fahrräder: Wer es sich leisten kann, kauft eines. Der Nachteil von Fahrrädern ist, dass man sich damit bei Dunkelheit damit nicht mehr auf der Straße bewegen kann, weil es einfach zu gefährlich ist. Im Norden sind sie nach Motoräderen die bevorzugten Fortbewegungsmittel, während sie im Süden Ghanas eher unbeliebt sind.

Panoramaaufnahmen des Mount Bike, Ghana 2009 (von Gletscherschmelze keine Spur)

Motorräder/Mopeds:
Sind sehr beliebt, da sie im Stadtverkehr schnell sind und vergleichsweise wenig Sprit brauchen. Zur Regenzeit ist das Motorradfahren jedoch ein zweifelhaftes Vergnügen.

Der Klassiker: importiert aus China oder Indien, Zweitakter, bietet Platz für 2 Personen oder den Fahrer, 3 Ziegen und einen Korb voll Yam.

Taxis: Ich schätze mal, dass Taxis mehr als 50% aller Fahrzeuge auf den Straßen der Städte ausmachen. Nahezu alle Taxis sind Opel Kadett. Es gibt zwei Arten von Taxis: „shared taxis“ and „dropping taxis“. „Shared taxis“ sind Taxis die wie Linienbusse (ohne fixe Haltestellen) fahren. Sie folgen einfach einer bestimmten Route und man zahlt um die 30 Pesewas egal wo oder wann man ein- oder aussteigt. Dropping Taxis sind Taxis im herkömmlichen Sinn. Der Preis ist meistens Verhandlungssache. Unter einem Ghanacedi kommt man aber kaum weg. Dafür wird man bis vor die Haustür gebracht. In der Nacht sind die Preise meist um 50 Pesewas bis zu einen Ghanacedi höher.

Busse: Große (Reise-)Busse werden immer öfter benutzt um Fernreisen zu unternehmen, da sie mehr Stauraum haben und sicherer sind. Die G3: MMT, STC und O.A. Travel Sie sind eigentlich ganz gut in Schuss, STC und O.A. haben leider ein Klimaanlage und einen Fernseher eingebaut. Die Innentemperatur beträgt 12°C, und "nigerian movies" rechtfertigen Schadensersatzansprüche.

Autos:
Generell ist zu sagen, dass viele Autos mit deutschsprachigen Aufschriften zu sehen sind.
Warum so viele Autos ausgerechnet aus Deutschland oder Österreich kommen, weiß ich nicht. Autos ohne Aufschrift gibt es kaum. Immer sind kurze Sprüche oder ein einzelnes Wort an der Heckscheibe zu sehen. Die einzige Ausnahme bilden Polizeiautos und Autos von Ausländern.

"No rush in life"... das wirkt in einem Stau schon fast zynisch.

Bei diesem ghanatauglichen, weil höhergelegten, Kultgefährt übersieht man beinahe die typisch farbenfrohe Veranda im linken Bildbereich...


... und hier im Zentrum des Bildes! Der gewogene Betrachter lege auch sein Augenmerk auf den gelben Stand, der Guthaben für MTN und Tigo Wertkartenhandys verkauft. Vertragshandys sind in Ghana eher die Ausnahme.

Wer dieses Auto mit Lautsprechern "bedacht" hat, war zum Zeitpunkt der Photoaufnahme sicher außer Hörweite... im Gegensatz zu mir.

Trotros: Fahrzeuge im Format eines VW-Busses. Meist wird der Kofferaum auch noch für den Transport von weiteren Personen genutzt, sodass durch enge Sitzreihen und schmale Sitze bis zu zwanzig Personen in ein Trotro passen. Das Gute am Trotro ist, dass es sehr günstig ist und man keine Angst haben muss „Touristenpreise“ zu zahlen, da man sehen kann, wie viel die anderen Fahrgäste zahlen. Der Nachteil eines Trotros ist, dass die Autos mehr als alt sind. Die Sitze verschaffen jedem der mehr als eine Körpergröße von 1,60m aufweist eine „unvergessliche“ Fahrt und viele der Trotrofahrer haben einen sehr eigenen Musikgeschmack. Außerdem fährt ein Troto erst dann los, wenn es voll ist. Das kann schon mal zwei Stunden dauern. Trotos bilden den Großteil des öffentlichen Verkehrs. Für kurze Fahrstrecken sind Trotros sehr gut geeignet, für längere Fahrten bevorzuge ich dann aber doch Busse, da diese einfach sicherer sind.

Ein Prachtexemplar von einem Trotro... und die Sitzgästen müssen nicht einmal die Schiebetür zuhalten.

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